Elli Scambor: The Role of Men in Gender Equality

Internationale Analysen und Empfehlungen für eine gleichstellungsorientierte Jungen- und Männerpolitik

Der Wandel der Geschlechterverhältnisse in weiten Teilen Europas ist ein Phänomen der vergangenen Jahrzehnte, das sowohl von wirtschaftlichen und sozialen Veränderungsprozessen als auch von Gleichstellungspolitiken maßgeblich beeinflusst wurde.

'Gender means women', so lautete lange Zeit das Subskript von Gleichstellungspolitiken und -strategien in den meisten Ländern Europas: Männer waren dabei in der Rolle abwartender Beobachter anzutreffen, während der Nutzen einer geschlechtergerechten Gesellschaft auf Seiten der Frauen verortet wurde.

Diese Situation hat sich schrittweise verändert: Die Europäische Union nahm in den Gleichstellungspolitiken und Förderprogrammen der letzten 10 Jahre gezielt auf Männer als aktive Akteure im Gleichstellungsprozess Bezug. Neu daran ist, dass Männer explizit benannt wurden.

Im Jahr 2010 wurde seitens der Europäischen Kommission eine Studie in Auftrag gegeben, um erstmals die Rolle von Männern im Prozess der Geschlechtergleichstellung in systematischer Weise in allen EU- und EFTA-Ländern zu erfassen und einer vergleichenden Analyse zu unterziehen. Ziel dieser Studie war es, gesellschaftliche Veränderungsprozesse und deren Auswirkung auf die Rolle von Männern im Geschlechterverhältnis abzubilden und damit eine fundierte Grundlage für die Entwicklung von Gleichstellungspolitiken zu schaffen.

Der Beitrag diskutiert zentrale Ergebnisse dieser aktuellen EU-Studie The Role of Men in Gender Equality im internationalen Vergleich und macht sie für eine gleichstellungsorientierte Jungen- und Männerpolitik nutzbar. Welche Empfehlungen lassen sich aus den vorliegenden Ergebnissen und Trends für die Jungen- und Männerpolitik ableiten?

Werden Männer in gleichstellungspolitische Analysen und Strategien einbezogen, eröffnen sich neue Perspektiven und Zugänge zum Thema Gleichstellung. Aber Wachsamkeit ist angebracht, damit männerpolitische Zugänge nicht Gefahr laufen, in traditionellen Geschlechtertheorien verhaftet zu bleiben, sich auf mögliche Benachteiligungen zu konzentrieren und/oder sich auf anti-feministische Diskussionen einzulassen.

Daher ist die Anknüpfung an einen pro-feministischen, progressiven und kritischen Zugang bei gleichzeitiger Ablehnung der von Männerrechtsgruppen postulierten Männer-Diskriminierungs-Perspektive zentrale Grundvoraussetzung für eine ausbalancierte Männerpolitik.

Um die Persistenz relevanter Geschlechterdisparitäten erfassen, verstehen und verändern zu können, bedarf es eines ausgewogenen Zugang, der sowohl Privilegien als auch Kosten und Diversitäten von Männlichkeiten in den Blick nimmt. Gleichzeitig darf die Geschlechterrelation, also die wechselseitige Bezugnahme von Frauen und Männern, nicht außer Acht gelassen werden.

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